T//Räume

Sendling
Sendling

Grossmarkthalle I
Grossmarkthalle I

Chicago
Chicago

Sendling
Sendling

1/8

Die Bilder, die wir aus Träumen mitnehmen, sind zum Großteil flüchtig, verschwommen, unbestimmt. Nur manchmal sind da einzelne Szenen, die sich einzubrennen scheinen, und die wir nach der Erwachen noch vor uns sehen.

 

Sich mit diesen Bildern zu beschäftigen verlangt eine Distanzierung zu uns selbst und der uns umgebenden Realität: ein losgelöstes Betrachten der Geschehnisse, die uns in einer Art basalem Bewusstsein ereilten. Distanzieren, so  Jean-Paul Sartre, ist eine fundamentale Voraussetzung für das – so wie er es nennt – "Für-sich-sein", also dem was das Mensch-sein vom Ding-sein unterscheidet: die Fähigkeit, seiner selbst bewusst zu sein, zu sich selbst eine Distanz aufbauen und sich selbst von anderen unterscheiden zu können. Erst dann kann man von einem Menschen, einem Individuum sprechen. Im Gegensatz dazu steht das zufällige "An-sich-sein" der Dinge, ohne Beziehung zu einem Bewusstsein.

 

Im Traum ist alles "An-sich" – wir können zu den Geschehnissen keine Distanz aufbauen. Dazu müssten wir uns im Traum bewusst sein, dass wir träumen, aber das geschieht nur im Ausnahmefall des luziden Träumens. Im Traum steht unser Bewusstsein also gleichsam entrückt vor dem ablaufenden Film, dessen Darsteller wir zwar sind, in den wir jedoch nicht mehr aktiv eingreifen können. Vielmehr scheinen die Trauminhalte bereits durch das von uns historisch Erlebte und Gedachte vordeterminiert zu sein.

 

Sartres Argumentation einer Distanzierung, also der Fähigkeit, unser Erleben selbst zum Gegenstand unseres Bewusstseins zu machen, indem wir uns von der Unmittelbarkeit des uns Widerfahrenden lösen, können wir in Bezug auf Träume somit nicht nachkommen. Insofern scheinen wir uns hier in einer Art Zwischenwelt zwischen Existenz und Sein zu befinden, die auf Grund der in der Regel bestehenden Verbindung zu bereits erlebten Inhalten zwar nicht vollkommen zufällig ist, sich jedoch einer aktiven Einflussnahme im Sinne der uns als Wesen obliegenden Verantwortung entzieht. Ein unermesslich großer Speicher mit Informationen, die dann selektiv aktiviert und zu einem neuen Ganzen zusammengefügt werden, dem "Produkt Traum", der als neuer, so nicht erlebter bzw. nicht aktiv gestalteter Bewusstseinsinhalt neue Verknüpfungen in unserer Wissensdatenbank ermöglicht. Wenn wir also im Traum nicht direkt ein Bewusstsein aufbauen und die Erlebnisse reflektieren können, so sollten wir nach dem Erwachen die Bilder retten, sie manifestieren und schlussendlich daraus Erkenntnisse für uns ableiten.

 

Auch wissen wir niemals, wie wir in einen Traum hineingelangt sind. Wissen nicht, was vorher war und was uns dorthin gebracht hat. Und: können wir uns an Gesichter von Menschen erinnern, denen wir in Träumen begegnet sind? War der Traum farbig oder schwarz-weiß? Schließlich: wie lange dauert ein Traum überhaupt? Träume dauern nur Sekunden, so heißt es, und in Analogie zur Relativitätstheorie Einsteins nähern wir uns der Hypothese eine möglichen Zeitdilatation, sprich einer Relativierung des uns bekannten Zeitbegriffes.

 

All diese Theorien über Träume, ihr Zustandekommen und ihre Inhalte, konfrontieren uns mit einem diffusen Phänomen voller unerklärbarer Eigenschaften. Gleichsam verschwommen erscheinen die Bilder aus der Serie T//Räume – verlassene, düstere Orte, die uns vielleicht sonderbar bekannt vorkommen. Entrückte Szenen, die es so nicht gibt. Es sind Fragmente, so wie uns aus Träumen nur Fragmente bleiben: "Sometimes we have pictures in mind, reflecting places we’ve never been before. And the more we try to remember, the more diffuse those pictures will get. Unable to create an entire clarity of thought, our mind will leave us in fragile darkness. We are talking about dreams - and the attempt to materialize an illusion."